Candle Bird - Candle Bird [2012]Wenn dir das Leben eine Ukulele schenkt, mach ein Album damit:

Eddie Vedder soll ja angeblich mal eine Songwriting-Blockade überwunden haben, indem er sich in einem Ramschladen spontan eine Ukulele kaufte – und so die Musik neu entdeckte. Und auch Heather Ziegler, eine junge Musikerin aus den USA, scheint mithilfe dieses niedlichen Saiteninstruments eine neue Schicht ihrer Kreativität freigelegt zu haben. Die Geschichte, die sie erzählt, klingt verblüffend ähnlich: Auf der Suche nach einem Banjo stolperte sie in einem Second-Hand-Musikladen über die possierliche Baby-Gitarre – und konnte nicht widerstehen. So wurde „Candle Bird“ geboren.

Willkommen in LoFi-Land

Ziegler hat diverse musikalische Eisen im Feuer: Von Synth Pop („Yie Yie“) über düstere Slow Core/ Ambient Tracks („Wood Woses“) bis hin zu hübschem Dream Pop („Rabbit Heart“) und diverse Kollaborationen hat sie schon einiges an Wohlklang in die Cloud geworfen. Doch die skelettierten, leisen Ukulele-und-Stimme-Schlafzimmer-Aufnahmen, die sie unter dem „Candle Bird“- Pseudonym aufnimmt, haben es mir besonders angetan. Im Gegensatz zu den anderen Projekten ist es ihr hier in kürzester Zeit gelungen, ein komplettes Debüt-Album zustande zu bringen – wo kein Anspruch auf HiFi-Perfektion ist, da ist der potenzielle Output halt auch höher … Das sieht die Dame selbst auch so: „[…] the fact that I made the Candle Bird album so quickly out of the blue kind of makes me laugh“. Sie genieße das schnelle Vorankommen und die Freiheit, die der LoFi-Ansatz mit sich bringe. Da kann man nur sagen: herzlich willkommen!

Kleine Klänge & schamanistische Chipmunks

Alles, was wir auf „Candle Bird“ hören, ist klein: Heathers Stimme, die Ukulele, die Harmonika, selbst die als Shaker missbrauchte Tic Tac-Schachtel in „An Obsession“. Teils klingen die mehrstimmigen Vocal-Arrangements wie Chipmunks – und dennoch haben sie eine geisterhafte Qualität, die mir immer wieder einen Schauer über den Rücken jagt. Keines der kurzen Lieder ist aufwändig, vertrackt oder sonst irgendwie tricky komponiert – im Gegenteil: Die Stücke wirken spontan und so simpel, dass sie irgendwo zwischen Kinderlied und schamanischer Repetitivität schweben. Das Ergebnis ist ein magischer Sog und eine pure, zerbrechliche Schönheit. Alles in allem: ziemlich genau das Gegenteil von „Muse“! Ein Glück …


Fazit

Dieses Projekt ist nicht nur frisch, mutig und spannend, sondern liefert dank der anderen musikalischen Aktivitäten Heather Zieglers auch eine großartige Möglichkeit, LoFi- und HiFi-Ansatz direkt miteinander zu vergleichen. Und ohne ihre anderen Projekte runtermachen zu wollen, wird aus meiner Sicht doch sehr deutlich: Amtliche Produktionen und das Erfüllen klanglicher Normen und Standards mögen die Angriffsfläche verringern und das kommerzielle Potenzial eines Projektes (scheinbar) erhöhen – doch sie verschleiern häufig auch viel von der Einzigartigkeit und Kreativität eines Künstlers. Schön, dass es MusikerInnen gibt, die sich klanglich nackig machen!

http://candlebird.bandcamp.com/album/candle-bird

https://soundcloud.com/candle-bird

4 Punkte