Herman Düne - Turn Off The Light CoverAls das ü noch Pünktchen hatte:

Mit seinem seltsamen Akzent und einer dünnen Singstimme taumelt David-Ivar Herman Düne durch die kruden Songs dieses Debüts. Die Welt war noch in Ordnung im Jahr 2000: Die Twin Towers standen noch, André Herman Düne hatte noch nicht die Segel gestrichen, und dem französischen Brüderpaar standen in den kommenden sechs Jahren noch sieben (!) gemeinsame Alben bevor. Mittlerweile hat die Band (der nach dem Ausscheiden Andrés 2006 mittlerweile die ü-Pünktchen abhandengekommen sind) ja einiges an Indie-Credibility gewonnen – unter anderem durch mehrere Auftritte in den Peel-Sessions. Das war 2000 natürlich noch nicht der Fall. Dennoch ist alles, was diese Band später groß gemacht hat, hier schon zu hören – wenn auch in etwas verdünnter Form.

Der blasseste Blues der Welt

Das Geile an Herman Düne ist diese ungeheure Kraft, die nie brachial wird. Dieser Blues, der nicht versucht, „schwarz“ zu klingen, sondern genau so blass und hühnerbrüstig bleibt, wie die Typen, die ihn machen, aussehen. Und trotzdem immer unterschwellig groovt und mitnimmt. Dazu kommt dieses charmante Understatement, das sich sowohl durch die Liveshows der Franzosen als auch durch das Coverartwork zieht (das Cover der Platte besteht, wie man auch anhand der oben zu betrachtenden Illustration FANTASTISCH sehen kann, aus mit Filzstift bemalter Pappe). Die holzig-knarrige E-Gitarre dieser Band hat mehr Charakter, als viele Bands insgesamt bieten können. Gerade auf „Turn Off The Lights“ sind die Lieder häufig hypnotisch gleichförmig – bis dann dieser leicht verhaltensgestörte Sechssaiter reinkommt und alles aufmischt. Das sind Gitarrensolos für Menschen, die Gitarrensolos hassen! Beispiel: Unbedingt mal den ersten Track „Our Smell Lingers“ anhören und sich einlullen lassen, nur um sich dann ab 2:51 von diesem akustischen Endorphin mitnehmen zu lassen.

Perlen & Verpackungsmaterial

Dieser Mix aus kruden Songs und eruptivem Nerd-Groove ist das Markenzeichen von Herman Düne. In Songs wie dem erwähnten „Our Smell Lingers“, dem beschwörerischen „I Do The Crabwalk“, dem Bottleneck-Schepperer „World Of Workers“ und dem resigniert-depressiven „Slight Miscalculation“ ist diese Qualität schon voll da. Leider sind diese Perlen in einer Menge akustischem Verpackungsmaterial verbuddelt, denn die restlichen sieben Lieder der Platte sind eher so ganz nett als genial. Der schmale Grad zwischen „hypnotisch“ und „langweilig“ wird auf „Turn Off The Lights“ genauso von beiden Seiten betrachtet wie jener zwischen „Ekstase“ und „Gedudel“.

Fazit

Heute wissen wir ja zum Glück, dass Herman Düne im Verlauf ihrer Entwicklung das langweilige Gedudel weitestgehend beiseitegelegt und sich deutlich in Richtung der hypnotischen Ekstase bewegt haben. Insofern stelle ich mich hier im Wissen um die Folgewerke souverän auf die Seite derjenigen, die „Turn Off The Lights“ als wichtig und vielversprechend bewerten!

3 Punkte